Promovieren mit Kind


Ein Beispiel von der Fachhochschule Jena

Wenn Karina und Jörg mit Sohn Nico in diesen Tagen Richtung Flughafen aufbrechen, haben sie den ersten Urlaub seit drei Jahren vor und ein großes Stück erfolgreicher Arbeit hinter sich. Vor allem Dr. Karina Schönefeld, die kürzlich erfolgreich ihre Promotion abschloss, ist glücklich und erleichtert. „Es war schon eine Herausforderung“, sagte die 27jährige Absolventin der Fachhochschule Jena. Und eine gemeinsame Familienaufgabe war Karinas Promotion nach Nicos Geburt vor dreieinhalb Jahren über weite Strecken auch: „Ohne meinen Lebensgefährten und meine Eltern hätte ich das Ganze wahrscheinlich nicht geschafft“.

Angeregt hatte die Promotion Prof. Dr. Karl-Heinz Feller, Karinas Betreuer und „Doktorvater“ im Fachbereich Medizintechnik und Biotechnologie der FH Jena. Karina wählte nach ihrem Diplom den Weg eines einjährigen Aufbaustudiums an der TU Clausthal-Zellerfeld. Für ihre Dissertation konnte sie Prof. Dr. Georg Schwedt als Hauptgutachter und Prof. Dr. Jörg Adams (beide TU Clausthal-Zellerfeld) als Gutachter gewinnen.

Im Entwicklungsprojekt „ChemoChips“ (Leitung: Prof. Dr. Feller) kam Karina Schönefeld eine umfassende Forschungsaufgabe zu, die sie in ihrer Dissertation „Untersuchung fluoreszensdetektierbarer Wirt-Gast-Wechselwirkungen und deren Einsatz für sensitive Sonden in Mikroarrays“ darstellt. „CemoChips“ beinhaltet die Entwicklung von selektiven und sensitiven Chiparrays zur Erkennung einzelner Substanzen. Das funktioniert ähnlich wie eine elektronische Nase, nur das diese unspezifisch und der Chip spezifisch arbeitet.

Dr. Schönefelds Dissertation untersucht die Funktionsweise des zu entwickelnden sensorischen Verfahrens anhand eines Modellbeispiels. Sie umfasst die Kette der Sensorchip-Verfahrensentwicklung von der Charakterisierung neuartiger Sonden-Materialien, ihre Testung bis hin zur Entwicklung eines Kalibrierverfahrens. Karina Schönefeld konnte die Funktionsweise des Verfahrens erarbeiten, darstellen und die Funktion einzelner Komponenten noch optimieren.

Die Arbeit überzeugte jedoch nicht nur durch ihre fachliche Kompetenz. Im Februar dieses Jahres erfuhr Karina, dass ihr Hauptgutachter Prof. Dr. Schwedt im Juni in den Ruhestand gehen würde. Das bedeutete eine Fertigstellung der Dissertation innerhalb von ca. drei Monaten, die Hälfte der sonst veranschlagten Zeit für den „letzten, großen Guss“. Dass ihr dieser vollauf gelungen ist, beweist die Note Eins für Arbeit und Verteidigung.

Karina Schönefeld ist die zweite Frau mit einem an der Fachhochschule Jena erworbenen Doktortitel. Für einen Absolventen der Fachhochschule bedeutet eine Promotion immer noch einen weitaus komplizierteren Weg als
für den Absolventen einer Universität. Von der momentanen Umstellung der Diplom- auf die Bachelor- und Masterabschlüsse im deutschen Hochschulsystem ist nicht zuletzt auch eine Verbesserung der Promotionsbedingungen für FH-Absolventen zu erwarten.

sn