Fachhochschule Jena: Klimadaten für Stadtwerke


Die Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken Jena-Pößneck und der klimatologischen Messstation der FH Jena wird weiter ausgebaut. Im Mittelpunkt einer entsprechenden Vereinbarung steht die tägliche Bereitstellung von Energiekennwerten. Hintergrund sind behördliche Vorgaben an die Stadtwerke als Betreiber eines Gasversorgungsnetzes.

Seit mehr als sieben Jahren erfasst die klimatologische Messstation der Fachhochschule Jena das lokale Klima. Die Internetseite mit den aktuellen Werten erfreut sich in der Öffentlichkeit großer Beliebtheit, wie die Nutzerstatistik zeigt. Daneben wurden und werden verschiedenste Anfragen aus Wissenschaft und Wirtschaft bearbeitet. Zum Beispiel sind Temperatur, Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung bei der Beurteilung von Flora und Fauna wesentliche Faktoren, gleich ob es sich um Orchideen oder spezielle Schnecken handelt. In Versicherungsfragen sind Windgeschwindigkeit und das Auftreten von Frost und Glätte die häufigsten Themen. Auf sensible technologische Prozesse können sich Schwankungen im  Außenklima als ganzes auswirken. Aussagen zu den Niederschlägen sind für den Bereich Bau und Stadtplanung eine wichtige Grundlage. So nutzten auch die Stadtwerke Jena-Pößneck bereits Klimadaten der Fachhochschule bei einer Bedarfsanalyse zur Auslegung der Trinkwasserinfrastruktur.

Eine ökonomisch relevante Anwendung besteht auch darin, aus den Tagesmittelwerten der Lufttemperatur Aussagen zum Energiebedarf, zur Dauer von Heizperioden oder zur Bewertung von Energiesparmaßnahmen abzuleiten. Die letzten Winter haben gezeigt, wie unterschiedlich zum Beispiel der Heizbedarf ausfallen kann. Im kältesten Monat seit Beginn der Messungen an der Fachhochschule, im Januar 2006 betrug das Mittel der Lufttemperatur minus 2,1°C. Ein Jahr später, im Januar 2007, waren es plus 6,4°C. Dem entsprechend ergab sich für die sogenannte Gradtagzahl, einem wichtigen Maß zur Beurteilung des witterungsbedingten Energieverbrauchs, ein Unterschied von 40 %. Die Auswirkungen auf  Betriebskosten usw. in die eine oder andere Richtung sind beträchtlich.

Für die Stadtwerke sind diese Daten nicht nur als Energielieferant, sondern auch als Netzbetreiber für Strom, Gas und Wärme ein unverzichtbares Instrument. Seit November 2006 werden die entsprechenden Daten täglich durch die klimatologische Messstation der Fachhochschule Jena bereit gestellt. Neben dem Eigeninteresse  der Stadtwerke ist diese Verfahrens¬weise auch Bestandteil neuester gesetzlicher Regelungen der Bundesnetzagentur.

Bernhard Kühn
Dipl.-Physiker