Wie kommen sozialpolitische Innovationen erfolgreich in die Welt?


Exzellente Promotion mit soziologischem Blick

(27. November 2009) Mit einem „summa cum laude“ schloss Dr. Matthias Müller, Absolvent der Fachhochschule Jena und der Friedrich-Schiller-Universität Jena, in diesem Jahr erfolgreich seine Promotion ab.  Von 2006 bis 2009 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Sozialwesen der FH Jena in mehreren Forschungsprojekten, zuletzt im Rahmen der Evaluation der „Thüringer Familienoffensive“.

Nach dem Diplom in der Sozialen Arbeit und dem Magisterabschluss in der Soziologie schrieb Matthias Müller seine Dissertation zum Thema „Deutungsmuster sozialpolitischer Innovationen. Fallstudien zu Grundeinkommen und Evaluation in der Sozialen Arbeit“. Erstgutachter der Arbeit war Prof. Dr. Stephan Lessenich (Institut für Soziologie der Universität Jena), Zweitgutachter Prof. Dr. Michael Opielka (FH Jena, Fachbereich Sozialwesen).

Was sind sozialpolitische Innovationen? Zu denken ist etwa an das vielerorts positiv aufgenommene Elterngeld, welches die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern soll. Zu denken ist aber auch an die hoch umstrittene Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre.
Wie kommen sozialpolitische Innovationen in die Welt, oder genauer: wie kommen sie erfolgreich in die Welt? Dieser zentralen politisch-soziologischen Fragestellung nähert sich die Dissertation von Dr. Matthias Müller mit einem soziologischen Blick, der das politische Oberflächenphänomen („politics“) durchdringt. Im Fokus steht die Tiefenschicht impliziten Wissens sozialer Akteure, die in ihrer professionellen Alltagspraxis Sozialpolitik „machen“, indem sie Gestaltungsideen sozialpolitischen Handelns in diese Praxis auf- und übernehmen, akzeptieren oder zurückweisen.

Die Analyse der theoretischen Fragestellung erarbeitete Dr. Müller anhand zweier Fallstudien, die im Rahmen von Forschungsprojekten 2007 und 2008 an der FH Jena unter Leitung von Prof. Dr. Michael Opielka durchgeführt wurden. Die erste Fallstudie widmet sich der innovativen sozialpolitischen Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Das Fallmaterial stammt aus dem Forschungsprojekt „Grundeinkommen und Werteorientierung“, gefördert von der Stiftung Werte- volle Zukunft in Hamburg. Die zweite Fallstudie analysiert im Gegensatz dazu das zunehmend wichtiger werdende technische Instrument der Evaluation in der Sozialen Arbeit. Das empirische Material stammt aus dem von der FH Jena geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Bedarf und Implementation von Evaluation in der Sozialen Arbeit“.
Beide Innovationen werden im Kontext der sozialpolitischen Programmatik der „Aktivierung“ verortet. Aus dem langjährigen Diskurs der „Sozialstaatskrise“ geboren, stellt „Aktivierung“ eine sozialpolitische Neuerung dar, der es dem Autor zufolge genauer nachzugehen gilt.


Kontakt: Prof. Dr. Michael Opielka
E-Mail: Michael.Opielka@fh-jena.de


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