Weg von der Nachsorge und hin zur Vorsorge


Tag der Nachhaltigkeit an der FH Jena

(24. September 2009) Die UN hat den Zeitraum 2005-2014 zur Weltdekade der Nachhaltigkeit erklärt. Der Freistaat Thüringen hat dazu einen Beirat berufen, dem auch die Rektorin der FH Jena Prof. Dr. Gabriele Beibst angehört, und einen Aktionsplan initiiert.

Als Teil dieses Thüringer Aktionsplanes fand an der FH Jena am 24. September 2009 erstmals der Tag der Nachhaltigkeit statt. Dazu waren vor einigen Wochen 146 Thüringer Gymnasien und Berufsschulzentren eingeladen worden; leider kein Gymnasium, aber immerhin vier Berufsschulzentren nahmen diese Einladung an. 70 Fachoberschüler aus Gotha, Weimar und Jena informierten sich über das Thema Nachhaltigkeit und über nachhaltige Studiengänge an der FH Jena.

Nachhaltig sind technische, wirtschaftliche oder soziale Systeme dann, wenn sie sich selbst regenerieren, also erhalten können. Z.B. ist eine Energieversorgung erst dann nachhaltig, wenn sie nur regenerierbare Energiequellen wie Sonnenlicht, Sonnenwärme, Wind und Biomasse nutzt. Eine Energieversorgung ist dagegen nicht nachhaltig, wenn sie von den fossilen Energieträgern Erdöl, Erdgas und Kohle abhängig ist, da diese nur begrenzt vorhanden sind. Die Umwandlung unserer zum großen Teil noch nicht nachhaltigen Energieversorgung in eine nachhaltige Energieversorgung ist eine der großen technischen, aber auch wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte.

Der Prorektor für Forschung der FH Jena, Prof. Dr. Bruno Spessert, stellte den Begriff der Nachhaltigkeit, nachhaltiges Studieren an der FH Jena und speziell den Studiengang Maschinenbau vor. Nachhaltigkeit ist nicht nur in der Energiewirtschaft, sondern beispielsweise auch in der Automobilindustrie das wichtigste Zukunftsthema. Maschinenbau-, Mechatronik- und Elektrotechnikingenieure werden dringend benötigt, um den Vorsprung zu halten, den die deutschen Hersteller im Bereich der Windenergienutzung besitzen. Und sie werden genau so benötigt, um den Vorsprung zu reduzieren, den die japanische Industrie momentan noch bei der Entwicklung von sparsamen, umweltfreundlichen Hybridautos hat.

Prof. Dr. Harald Bergner informierte über den Studiengang Photovoltaik und Halbleitertechnik. Die Photovoltaik, also die Elektrizitätsgewinnung aus Sonnenlicht, ist eine der ganz wichtigen Zukunftstechniken, die die Abhängigkeit unserer Energieversorgung von Erdöl, Erdgas und Kohle beseitigen werden. Die Photovoltaik-Industrie bietet gerade auch in Thüringen sehr interessante Arbeitsplätze.

Die früher übliche Nachsorge, also die Beseitigung von Umweltschäden, wird heute zunehmend ersetzt durch eine möglichst umfassende Vorsorge, also durch die Vermeidung von Umweltbelastungen. Die Vorsorge ist nicht nur ökologisch effektiver, sondern auch deutlich billiger als die Nachsorge. Das für eine wirksame Vorsorge notwendige Know-how wird im Studiengang prozessintegrierter Umweltschutz vermittelt, den Prof. Dr. Bernd Rudolph vorstellte. Wir müssen weg von der Nachsorge und hin zur Vorsorge, gab Professor Rudolph den Besuchern mit auf den Weg.

Die Analyse von Produktionsprozessen und daraus resultierenden Umweltbelastungen ist ein wichtiger Bestandteil auch des Studienganges Wirtschaftsingenieurwesen, über den Prof. Dr. Frank-Joachim Möller informierte. Alle Umweltbelastungen, die z.B. durch Produktion, Verpackung, Transport, Benutzung und Entsorgung entstehen, müssen erfasst werden, um Produkte richtig ökologisch und wirtschaftlich bewerten zu können.

Anschließend besichtigten die Schüler in kleinen Gruppen die Labore für Kraft- und Arbeitsmaschinen, Umweltmesstechnik sowie analytische Chemie. Dort konnten sie sich überzeugen, dass die FH Jena über eine moderne Infrastruktur verfügt, die ein wirklich praxisorientiertes Studieren ermöglicht.


Prof. Dr. Bruno Spessert/
mk